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Vom Schimpansen (Pan troglodytes), der im westlichen und zentralen
Afrika zu Hause ist, können wir viel über die Naturgeschichte
unserer Urahnen lernen. Das hat zwei Gründe: Zum einen ist der
Schimpanse anatomisch, biochemisch und physiologisch gesehen von allen
Affen und somit von sämtlichen Tieren am nächsten mit dem
Menschen verwandt. Zum anderen ist er ein ökologisch besonders
vielseitiger Affe: Er kommt in Regenwäldern ebenso vor wie in offenen
Savannengebieten. Vermutlich lebten auch unsere frühesten Vorfahren
in den Savannen Afrikas. Darum wohl zeigt das Verhalten der Schimpansen
viele, zum Teil verblüffende Parallelen zu menschlichen Verhaltensweisen,
so zum Beispiel den Gebrauch von «Werkzeugen» beim Nahrungserwerb
und die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen benachbarten Männchentrupps.
In ihrer Heimat leben die Schimpansen in lockeren Gemeinschaften von
zumeist 20 bis 60 Tieren beiderlei Geschlechts und aller Altersklassen.
Selten oder nie halten sich jedoch alle Mitglieder einer Gemeinschaft
beisammen auf. Zumeist streifen sie einzeln oder in kleinen Trupps,
deren Zusammensetzung immer wieder ändert, im zehn bis fünfzig
Quadratkilometer grossen Revier ihres «Clans» umher.
Enge Familienbande halten die Schimpansengemeinschaften zusammen: Männchen
wie Weibchen pflegen nämlich auch noch als Erwachsene Kontakt mit
ihrer Mutter sowie ihren Brüdern, Schwestern und Tanten. Normalerweise
geht es deshalb in einer Schimpansengemeinschaft sehr friedlich zu.
Die Weibchen verstehen einander überaus gut und hüten sich
oft gegenseitig ihre Jungen. Und selbst die ranghohen Männchen
haben ein ausgesprochen freundschaftliches Verhältnis untereinander.
Mit Gesten und Bewegungen verständigen sich die Schimpansen untereinander
oft auf eine Weise, die uns Menschen sehr vertraut vorkommt. Ausserdem
verfügen sie über eine «Sprache» mit einem breiten
Spektrum unterschiedlichster Laute.
Erwachsene Schimpansenmännchen sind deutlich grösser als erwachsene
Weibchen: Sie können aufgerichtet bis 170 Zentimeter hoch werden
und wiegen in freier Wildbahn ungefähr 50 Kilogramm, während
erwachsene Weibchen höchstens 130 Zentimeter messen und um 40 Kilogramm
wiegen. Ältere Männchen tragen oft einen weissen Bart und
haben eine kahle Stirn, die ein bisschen an eine menschliche Glatze
erinnert. Sehr junge Tiere besitzen hingegen richtige «Lausbubengesichter»,
mit heller Gesichtshaut, die später nachdunkelt.
Hauptsächlich ernähren sich die Schimpansen von reifen Früchten.
Daneben verzehren sie junge Blätter, Knospen, Samen, Blüten,
Rinde und andere Pflanzenteile, die sie in ihrem Lebensgebiet finden.
Ausserdem nehmen sie regelmässig Termiten, Raupen und andere Insekten
zu sich, und hin und wieder gelingt es den erwachsenen Männchen
auch, kleinere Säugetiere wie Affen, Schweine und Ducker zu erlegen,
von denen dann alle Mitglieder der Gemeinschaft etwas abbekommen.
Schimpansen fand man ursprünglich in weiten Teilen Afrikas - von
Senegal im Westen bis Tansania im Osten. Heute ist die Art in mehreren
afrikanischen Ländern vollständig ausgestorben; der Gesamtbestand
hat massiv abgenommen und ist weiterhin rückläufig.
Jagd und Fang durch den Menschen sind ein Hauptgrund für diese
beunruhigende Situation. Erfreulicherweise haben aber wirksame Handelsbeschränkungen
auf internationaler Ebene, gute Zuchtergebnisse in den zoologischen
Gärten sowie eine verbesserte Durchsetzung von Naturschutz- und
Jagdgesetzen in den Ursprungsländern dazu geführt, dass den
Schimpansen heute keine übermässige Gefahr mehr hierdurch
droht.
Dafür macht ihnen mehr und mehr die rasch voranschreitende Zerstörung
ihrer Lebensräume zu schaffen. Überall in Afrika wächst
die menschliche Bevölkerung schnell, was zu einem enormen Erschliessungsdruck
auf die letzten Wälder und Savannen führt. Zusätzlich
beschleunigt wird dieser fatale Prozess durch die Nachfrage der westlichen
Welt nach Edelhölzern für alle möglichen und unmöglichen
Verwendungszwecke.
Soll der nächste Verwandte des Menschen überleben, so gilt
es, möglichst grosse Teile der noch verbleibenden intakten Regenwälder
und unberührten Savannen als Reservate und Nationalparks auszuweisen
und so vor der Zerstörung durch den Menschen zu retten. Schimpansen
findet man heute immerhin schon in über zehn grossräumigen
Schutzgebieten. Weitere müssen unbedingt hinzukommen.
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